Satellitenintegration in 5G und 6G

Das Zusammenwachsen terrestrischer und satellitenbasierter Netze erhält durch 5G einen deutlichen Schub nach vorne. Unter dem Stichwort »Non-Terrestrial Networks (NTN)« werden Satelliten erstmals konsequent in den Mobilfunkstandard integriert, um anschließend in der künftigen 6G-Generation den endgültigen Weg für ein globales und engmaschiges Kommunikationsnetz zu bereiten. Davon profitieren beide Seiten: Während terrestrische Mobilfunknetze durch die Unterstützung von Satelliten jegliche Einschränkungen in der Reichweite überwinden, bietet sich für die Satellitenindustrie die Chance, das Angebot an Services weit über die Versorgung mit Satellitenfernsehen und -internet hinaus auszuweiten. Von der nahtlosen Konnektivität mit NTN profitieren beispielsweise die Automobilindustrie sowie das Internet of Things.

Der klassische Weg führt über den Einsatz von Satelliten zur Vernetzung von Mobilfunkbasisstationen am Boden (Backhaul). Durch Satelliten-Backhaul werden Basisstationen in entlegenen Gebieten gegebenenfalls auch ohne weitere Infrastruktur ans Mobilfunknetz angebunden. Die Satelliten dienen so als Verbindungspunkte zwischen den Mobilfunkbasisstationen am Boden, spannen ein weltweites Kommunikationsnetz auf und können damit einen wesentlichen Beitrag zu einem schnellen Roll-out weltweit verfügbarer 5G-Konnektivität leisten. Diese Art der Vernetzung ist bereits seit 4G etabliert, wird allerdings erst mit 5G innerhalb der 3GPP im Standard verankert. Der Backhaul-Ansatz setzt zudem voraus, dass immer eine terrestrische Basisstation in der Nähe verfügbar ist.

Neue Wege der Vernetzung – 5G Direct Access über Satellit

Am Fraunhofer IIS gehen wir noch einen Schritt weiter und widmen uns gezielt der Entwicklung von Technologien für eine direkte Kommunikation zwischen Satelliten und Endgeräten, um terrestrische und satellitenbasierte Kommunikationssysteme sukzessive zusammenzuführen.

Diese neueren Konzepte zur Integration von Satelliten in die terrestrische 5G-Infrastruktur basieren auf einer direkten Konnektivität zwischen Satelliten und 5G-fähigen User Equipments (UE) wie Smartphones oder Fahrzeugen. Entsprechende Endgeräte haben dann jederzeit Zugriff auf das 5G-Netz – selbst dann, wenn gerade keine terrestrische Basisstation in der Nähe ist. Smartphones oder Fahrzeuge sind so in der Lage, die Verbindung je nach Empfangslage über eine Mobilfunkbasisstation oder direkt über Satellit aufzubauen. Es sind auch zukünftige Netzarchitekturen möglich, in denen der Satellit selbst, entweder vollständig oder teilweise, als Basisstation (gNB) dient.

Warum 5G Direct Satellite Access?

Für einige Anwendungen bietet eine direkte Verbindung zwischen Satelliten und Endgeräten besondere Vorteile:

Weltweite
Konnektivität

Empfang überall für festinstallierte Terminals oder mobile User und IoT-Devices – auch in den entlegensten Regionen der Welt.

Nahtloser Empfang bei mobilen Anwendungen

Zuverlässige Übermittlung von Updates und Warnmeldungen an Fahrzeuge oder durchgängig mögliche Übertragung von IoT-Sensordaten.

Effiziente Broadcast-Funktion

Entlastung der terrestrischen Infrastruktur (Data-Offloading) durch Übertragung von Medieninhalten und Software-Updates per Satellit an viele mobile Endgeräte gleichzeitig.

Icon mit LEO-Satelliten-Konstellation
© Fraunhofer IIS

Gerade im Zusammenspiel mit aktuell neu gestarteten oder geplanten Konstellationen verschiedener Satellitenbetreiber, bestehend aus einer großen Anzahl kleinerer Satelliten in niedriger Umlaufbahn, bietet die Integration von Satelliten in das 5G-Netz große Chancen für eine zuverlässige und globale Mobilfunkabdeckung ohne weiße Flecken. Ein Beispiel hierfür ist die von der Europäischen Union lancierte Satellitenkonstellation IRIS² (Infrastructure for Resilience, Interconnectivity and Security by Satellite).

So treiben wir die Satellitenintegration in 5G voran

Technologieentwicklung und Beratung

 

 

Wir entwickeln und erproben neueste Ansätze zur Integration terrestrischer und satellitenbasierter Kommunikation. Auf dieser Basis beraten wir Sie gerne zu allen Fragen rund um das Thema System Engineering für Satellitenkommunikation und 5G.

Unser Angebot umfasst dabei Beratungsleistungen mit engem Bezug zur 5G-Standardisierung genauso wie Machbarkeitsstudien und die Entwicklung systemspezifischer Integrationskonzepte.

Simulation
und Analyse

 

 

Erfahren Sie, wie verschiedenste Anwendungen von 5G New Radio (NR) über Satellit profitieren können: Zur Ermittlung der Leistungsfähigkeit von 5G NR Direct Access über Satellit bieten wir Link- und System-Level-Simulationen für bereits bestehende und neue Systeme an.

Dafür stehen Simulationstools zur Verfügung, die eine schnelle und detaillierte Analyse aller wichtigen Leistungsparameter ermöglichen.

Prototyping
und Demonstration

 

 

Um die Leistungsfähigkeit von 5G NR über Satellit auch in der tatsächlichen Übertragung zu validieren, setzen wir auf die Prototyping-Plattform »OpenAirInterface (OAI)« mit 5G-NTN Erweiterungen.

Damit können wir neueste Features aus der laufenden Standardisierung frühzeitig implementieren und mit Ihnen in Live-Tests über Satelliten erproben. Unsere Labors verfügen ergänzend über die entsprechende Ausstattung, um verschiedenste Kanaleigenschaften in der Satellitenübertragung realitätsgetreu nachzubilden.

Ein Blick in die Zukunft: Satellitenintegration in 6G

Illustration Satellitenintegration in 6G
© Fraunhofer IIS/Franziska Köhler

Mit 6G erweitern sich die bisherigen terrestrischen Netzwerke zu einer dreidimensionalen Struktur, in der die Kommunikation am Boden, in der Luft und im Weltall miteinander verschmilzt. Ob Basisstationen, Autos, Drohnen, Flugzeuge, High Altitude Plattformen (HAPS) oder Satelliten – Plattformen aus völlig unterschiedlichen Ebenen vernetzen sich zu einem 3D-Netzwerk. Die Kommunikation wird dadurch nicht nur global und universell verfügbar, sondern gewinnt zusätzlich an Resilienz.

Allerdings stellt die Dynamik der 3D-Netzwerke eine immense Herausforderung dar. Während die Architektur in der Vergangenheit noch statisch am Boden verblieben ist, werden sich die einzelnen Elemente künftig in permanenter Bewegung befinden. Unsere Forschung fokussiert sich daher derzeit auf die Entwicklung eines 6G-fähigen System-Level-Simulators, in dem sich die komplexen Prozesse der 3D-Netzwerke nachbilden lassen.

Obendrein wollen wir die Nachhaltigkeit der 6G-Netze sicherstellen. Damit künftige Übertragungsverfahren geringere Signalspitzen und einen noch besseren Wirkungsgrad aufweisen, erforschen wir eine energieeffizientere Wellenform, die die leistungsbegrenzten Satelliten dazu befähigt, einen möglichst großen Datendurchsatz zu erzielen.

 

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